Beschlagene Gehäuseports

… und was man dagegen tun kann

Baut man seine Ausrüstung bei warmen Temperaturen zusammen und taucht dann ab, kann es passieren, dass die Scheibe beim Gehäuse beschlägt. Vor allem in tropischen Gebieten und auf Tauchsafaris kann dies zu einem echten Problem werden, denn im schlimmsten Fall sind die Fotos unbrauchbar.

 

Wieso beschlägt mein Gehäuse

Wenn feuchte Luft abkühlt, kondensiert der darin enthaltene Wasserdampf und schlägt sich an kalten Flächen nieder. Du kennst diesen Effekt bestimmt auch von beschlagenen Brillengläsern oder Fenstern.

Das Gehäuse erwärmt sich aufgrund der Aussentemperatur und damit auch die im Inneren eingeschlossene Luft. Ist die Wassertemperatur niedriger als die Lufttemperatur, kühlt sich das Gehäuse und die darin eingeschlossene Luft schlagartig ab, wodurch sich Tröpfchen bilden. Dieser Wasserdampf führt zum Beschlagen des Gehäuseinneren.

Polymer, also Kunststoff, hat eine niedrigere Wärme- bzw. Kältefähigkeit als Glas, und Aluminium hat eine höhere Leitfähigkeit. Wenn du also dein Unterwassergehäuse wie oben erwähnt, von wärmerer Luft in kaltes Wasser bringst, kühlen bei einem Kunststoff-Gehäuse als erstes die Glasflächen ab und beschlagen. Das heisst, als erstes beschlägt blöderweise genau die Innenfläche deines Ports. Die eingeschlossene Feuchtigkeit kann zudem langfristig zu Korrosion an der empfindlichen Elektronik führen.

Beim Aluminium-Gehäuse ist jedoch das Metall kalt. In diesem Fall beschlägt das Glas nicht (also weder Port noch Sucher) und somit hast du klare und freie Sicht.

 

Unterschiede Alugehäuse und Kunststoffgehäuse

Ein grosser Unterschied, wie oben bereits erklärt, ist die Leitfähigkeit der Materialien.

Weitere Unterschiede erweisen sich in Grösse und Gewicht. Aluminium-Gehäuse sind in der Regel schwerer, dafür oftmals kompakter bzw. genau für die Passform der entsprechenden Kamera gebaut und sehr robust.

Kunststoffgehäuse sind leichter, in der Regel auch einiges günstiger und nicht so sehr widerstandsfähig gegen Stösse. Bei Kunststoffgehäusen kann es zudem schneller zu Ermüdungserscheinungen des Materials führen bei z.B. Verbindungsstellen zwischen Schrauben und Bedientasten oder es entstehen feine Risse im Kunststoff.

Egal ob ein Gehäuse aus Leichtmetall oder Kunststoff ist, dicht sind sie alleweil, zumindest bis auf die angegebene Maximaltiefe des Herstellers. Welches Gehäuse für dich das Richtige ist, hängt von diversen Faktoren ab. Gut oder schlecht zu nennen ist nicht sinnvoll. Wichtig ist, dass es deinen Bedürfnissen entspricht.

 

Welche Lösungen gibt es also gegen das Beschlagen?

Silicagel in Trockenbeuteln

Silicagel ist ein sogenanntes Trockenmittel, welches Feuchtigkeit aufnehmen und binden kann. Dieses Silicagel gibt es in verschieden grossen Päckchen.

Was bewirkt Silicagel

Im Inneren dieser atmungsaktiven (luft- und wasserdampfdurchlässigen) Verpackung befinden sich kleine Silicakügelchen. Dieser farblose Silica- oder auch Kieselgel ist ein Siliciumdioxid mit einer gelartigen Konsistenz, welches stark wasseranziehend ist und somit viel Feuchtigkeit aufnehmen kann.

 

Silicagel im Gehäuse platzieren

Es gibt Gehäuse, die bereits einen Platz vorgesehen haben für die Trockenbeutel. Ansonsten am besten bereits vor einem Tauchgang ausprobieren, ob’s passt, damit du nicht Gefahr läufst, die Verpackung beim Schliessen des Gehäuses einzuklemmen. Die Folge könnte ein undichtes Gehäuse sein. Wenn das Gehäuse im Innenraum viel Platz bietet, musst du zudem aufpassen, dass die Beutel nicht verrutschen und somit wichtige Knöpfe blockieren.

Alternativ kannst du es auch mit einem Stück Alufolie probieren. Damit kann sich bei Abkühlung die ausfallende Feuchtigkeit nicht am Glas des Objektivs niederschlagen, sondern am wärmeleitfähigeren Alustreifen.

 

Aufbereitung des Silicagels

Wenn die Trockenbeutel nicht helfen, dann sind sie mit grosser Wahrscheinlichkeit schon mit Feuchtigkeit gesättigt und können dadurch nichts mehr aufnehmen. Du kannst sie selbstverständlich öfters verwenden. Dazu legst du sie am besten entweder in die Sonne (funktioniert nur bei geringer Luftfeuchtigkeit) oder an einen warmen, trockenen Ort.

Falls du dein ganzes Gehäuse oder die Kamera geflutet hast, kann es eigentlich nicht schlimmer kommen. Wenn es im Salzwasser passiert, hast du keine andere Chance, als es mit klarem Wasser komplett zu spülen. Um es richtig trocken zu kriegen, kannst du die Kamera und/oder Gehäuse einige Stunden offen in den Backofen legen bei max. 60°. Oder du legst alles in eine Box oder einen Beutel und bedeckst es komplett mit Reis.

 

Aufbewahrung der Trockenbeutel

Am besten sollte das Silicagel bzw. die Beutelchen in einem wiederverschliessbaren Plastikbeutel oder in einer Plastikbox an einem kühlen, dunklen und trockenen Ort aufbewahrt werden. Wichtig dabei ist, dass der Behälter luftdicht ist, da das Silicagel ansonsten weiter Feuchtigkeit aus der Luft zieht und damit während der Aufbewahrung an Trocknungskapazität verlieren würde.

 

Silicagel-Beutel

Grösse M für kleine Gehäuse: Trockenbeutel klein

Grösse L für mittlere- und grosse Gehäuse: Trockenbeutel gross